Du musst als Elternteil nicht perfekt sein – nur gut genug +++Kommunikation in Familien+++
Gestern schau ich mit der Familie Film – mittlerweile eine der wenigen Aktivitäten, an denen meine 17- und 12-jährigen Kinder teilnehmen. Wenn ich sie frage, woran das liegt, bekomme ich meistens ein Grinsen (bei guter Laune) oder ein Schulterzucken (bei neutraler Laune) und eine Antwort wie: „Papa, chill mal!“. Jedenfalls konnten wir uns erfolgreich auf einen Film einigen und eine der Szenen hat mich doch sehr zum Schmunzeln gebracht (meine Kids übrigens auch), und zum Nachdenken, daher möchte ich sie hier kurz darstellen.
Eine Film-Szene wie aus dem echten Leben:
Ein typischer Konflikt zwischen Eltern und Teenagern +++Kommunikation Pubertät+++
Ein Teenager spielt sein Lieblingsspiel auf dem Handheld (Switch oder ähnliches, wer kennt noch den Gameboy?).
Elternteil 1: „Junge, leg das Ding weg – los jetzt. Ich will das nicht nochmal sagen“.
Jugendlicher ist genervt, murmelt für den Zuschauer etwas Unverständliches,
offensichtlich aber eine Provokation,
denn Elternteil 1 regt sich darüber auf: „Hey mach mal halblang!“
Und später im eskalierenden Dialog
schreit Elternteil 2: „Mach ruhig so weiter, dann schlag ich die Daddelkiste kurz und klein!“
Schaut Euch die Szene an, sie ist wunderbar und viel irrwitziger als sie hier nüchtern dargestellt ist. Um welchen Film es da geht? Das verrate ich weiter unten. Vielleicht hat der eine oder die andere die Szene auch erkannt. Es ist definitiv kein Familienfilm im herkömmlichen Sinne und es geht auch nicht um Erziehung, aber die Szene ist trotzdem klasse, weil sie einen Moment des Zusammenlebens einfängt, den viele von uns kennen dürften.
Sie nicht? Respekt, schreiben Sie mal in die Kommentare, wie Sie das machen. Wir lernen nie aus.
Erziehungsfallen: Verstärkung statt Veränderung – Wenn Drohungen ohne Konsequenzen bleiben
Ich jedenfalls hab mich ertappt gefühlt. Trotz aller beruflicher Erfahrungen lande ich viel zu oft in derselben Falle wie in der gezeigten Szene. Geht es Euch auch wie mir. Dann bitte weiterlesen und ein kleiner Trost an dieser Stelle: Es gibt keine perfekten Eltern, wir alle liegen mal daneben und lernen (bestenfalls) daraus.
Zurück zur Szene, sie ist in ihrer Einfachheit doch überraschend vielschichtig.
Vermutlich handelt es sich nicht um den ersten derartigen Konflikt. Das zeigt der automatische Ablauf und die rasche Eskalation der Ereignisse recht deutlich.
Ich frage mich: Wie oft wurden bereits fruchtlose Diskussionen über das Thema geführt?
Und wie oft durfte der Jugendliche erfahren, dass die Drohungen, die im Ärger ausgesprochen wurden, doch nicht dazu führen, dass sie umgesetzt werden?
Was bedeutet das für künftige gleichermaßen ablaufende Konflikte?
Der Aufforderungscharakter für den Jugendlichen, sein Verhalten zu ändern, dürfte gegen Null gehen, schließlich drehen sich Elternteil 1 und 2 um und es erfolgt keine Konsequenz.
Der Jugendliche kann in Ruhe sein Lieblingsspiel weiterzocken. Die Ruhe nach dem Sturm, herrlich! Der unangenehme Druck von Elternseite fällt weg und er kann seelenruhig weiter machen, was ihm Spaß macht. Das bedeutet, dass das gezeigte Erziehungsverhalten aller Wahrscheinlichkeit nach nicht dazu führen wird, dass der Jugendliche sein Verhalten ändern wird, sondern im Gegenteil, dass sein Verhalten aufrechterhalten und sogar verstärkt wird!
Elternsein zwischen Frust und gemeinsamer Haltung
Immerhin konnten beide Elternteile ihren Ärger loswerden und waren sich einig, dass der Jugendliche sich weniger mit Spielen beschäftigen sollte.
Das ist gut – beide Elternteile ziehen an einem Strang und vermitteln eine klare Haltung zu einem wichtigen Erziehungsthema und geben das an Ihren Jugendlichen weiter – wichtig, auch wenn er nicht sofort so reagiert wie gewünscht.
Dennoch birgt die klare Elternhaltung eine Chance auf eine (in der Zukunft) differenzierte Auseinandersetzung des Jugendlichen mit dem Thema Computerspiele.
Auch die emotionale Abreaktion der Eltern ist nicht zu unterschätzen: Es ist nicht immer ratsam, seinen Ärger bei sich zu behalten, weil das die Gefahr birgt, dass sich die angestauten Gefühle irgendwann (meistens dann, wenn die Situation nicht passend ist) ihren Weg nach außen bahnen, was dann unverständlich auf die Außenwelt wirken kann, weil der Zusammenhang fehlt.
Was fehlt:
Klare Alternativen statt bloßer Ablehnung
Es bleibt unklar, was der Jugendliche statt seines ‘Fehlverhaltens’ machen soll.
Eine klare Aufforderung wäre an der Stelle hilfreich gewesen, um die Kommunikation in eine andere Richtung zu bewegen und die Chance auf eine Änderung des Verhaltens zu ermöglichen.
Fällt Euch spontan eine passende ein, dann teilt sie mir in den Kommentaren mit!
So hat der Jugendliche jedenfalls die Ablehnung eines Hobbys durch die Eltern erfahren. Das wird nicht reichen, um ihn zum Nachdenken oder zur Verhaltensänderung zu bewegen. Mehr noch, er könnte sich von den Eltern als Person mit eigenständigen Interessen abgelehnt fühlen und sich erst recht entgegen der Vorstellung der Eltern verhalten.
Wie Kommunikation gelingen kann – eine der vielen Möglichkeiten
Eine interessante Möglichkeit, um Veränderungen zu ermöglichen, habe ich im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit kennengelernt, die ich gerne teilen möchte: eine Kommunikationsstrategie zur Konfliktlösung. Mir gefällt die Vorstellung, dass sich Situationen schaffen lassen, von denen beide Seiten profitieren, und beide sozusagen gewinnen.
Hätte sich die Szene dadurch anders auflösen lassen? Möglicherweise, auch wenn sie für den Zuschauer nicht halb so witzig gewesen wäre. Bei Zeit und Interesse: Einfach das unten verlinkte PDF anfordern, dort habe ich die zentralen Ideen mit Beispielen zusammengefasst.
Zeit für Eure Erfahrungen und Ideen: Welche fruchtlosen Diskussionen kennt Ihr so?
Wie hätte die Szene Eurer Meinung nach weiter gehen können?
Habt Ihr Lust, Euch über Euren Erziehungsstil und das Verhalten Eurer Kids Gedanken zu machen? Wollt Ihr etwas verändern?
Schreibt in die Kommentare, was Euch so bewegt, und welche fruchtlosen Diskussionen Ihr zuhause führt! Ich freu mich auf den Austausch mit Euch und bin gespannt auf Eure Ideen und Erfahrungen!
Euer Robert Keppler
PS: Fast vergessen! Avengers: Infinity War (2018, FSK ab 12, für jüngere Kids aus meiner Sicht auf keinen Fall zu empfehlen).
